Wellness – eine Frage des Zwischenmenschlichen

Renate ist Wellnesstrainerin im Hotel Golserhof. Und das schon seit 6 Jahren. Eigentlich wollte sie einst nur für zwei Wochen einspringen. Doch daraus wurde ein Ankommen. Und ein Bleiben.

Warum sie ihren Beruf liebt, weshalb Wellness für sie weit mehr ist als Massagen und Aufgüsse und warum echte Berührung so viel Tiefe haben kann, erzählt sie in diesem Interview – einem, das wahrlich unter die Haut geht.

Die Prophezeiung: Irgendwas mit Händen – vom Servieren zum Massieren


Renate hat über 15 Jahre lang im Service gearbeitet. Ungefähr genauso viele Jahre später hat sie gespürt, dass sie lieber auf eine andere Weise für das Wohlbefinden der Menschen sorgen möchte. Und anstatt denen Wein einzugießen, gießt sie seitdem in der Sauna auf. Heute ist Renate Wellnesstrainerin – mit Leib und Geist und Seele.

„Spannend ist: Schon mit 15 hat mir einmal eine weise Frau vorausgesagt, dass ich eines Tages mit meinen Händen für Menschen arbeiten werde. Damals konnte ich mir darunter überhaupt nichts vorstellen. Heute muss ich oft daran zurückdenken. Der Weg hat sich ganz plötzlich gezeigt – und ich bin ihn bis heute zielstrebig gegangen.“
 
Renate, beschreibe doch mal deinen Beruf und deine Tätigkeiten im Hotel Golserhof.

„Als Wellnesstrainerin begleite ich Menschen ganzheitlich, also in ihrer mentalen, geistigen und körperlichen Gesundheit. Ich bin sozusagen das Wellness-Mädchen für alles – oder die Frau fürs Wesentliche, wenn es ums Wohlbefinden geht.

Ich bin ausgebildete Masseurin und beziehe bei meinen Behandlungen  nicht nur Muskeln, Haut und Faszien mit ein, sondern immer den ganzen Menschen – mit seiner mentalen und seelischen Welt. Drei Mal pro Woche gestalte ich die Saunaaufgüsse im Golserhof: Ich lade zu finnischen Aufgüsse mit einem anschließenden Peeling im Dampfbad ein – eine Kombination, die sehr gut ankommt!“

Wie lange bist du schon im Golserhof?


„Seit sechs Jahren. Ich bin eigentlich nur als Aushilfe eingesprungen. Aber ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt. So bin ich geblieben – und möchte auch nicht mehr gehen. Hier, im Golserhof, entstehen nämlich ganz besondere Verbindungen. Das Hotel ist das kleinste 4-Sterne-Superior-Hotel in Dorf Tirol: eine große Anlage mit verhältnismäßig wenigen Gästen. Dadurch entsteht viel Nähe, viel Persönliches, vor allem im Wellnessbereich, natürlich. 
Und – wo ich schon mal die Chance erhalte, das mal nach außen zu tragen – Patrick und Hiltrud sind ganz außergewöhnlich herzliche Gast- und Arbeitgeber. Das spielt für viele hier im Haus eine große Rolle!“
 
„Das Wahnsinnige ist, dass ich dafür auch noch bezahlt werde!“
 
Das spricht fürs Haus! Warum glaubst du, sind deine Aufgüsse und deine Massagen so beliebt? Was macht sie besonders? 

„Wellness bringt Menschen sehr schnell zu sich selbst. In der Sauna sind sie schließlich nicht mehr ihre Rolle. Sie sind nackt – ohne Maske, ohne Hülle, im wahrsten Sinne des Wortes. Bei mir sind also alle Menschen gleich. Wir stehen uns ganz pur gegenüber, so wie wir geboren sind. Und sind Teil einer Gruppe, in der man nichts mehr sein muss, sondern einfach sein DARF. Wir sind auch immer alle per Du. Ich sage immer: ‚Wenn man miteinander schwitzt, bleibt das Sie zuhause.‘

Wenn ich manchmal Unsicherheit und Schamgefühl wahrnehme, versuche ich, den Menschen ganz natürlich zu begegnen und ihnen Sicherheit und Willkommensein zu vermitteln. Oft reicht ein freundlicher Satz, eine kleine Einladung, eine Geste oder ein flotter Spruch. Menschen berührt es, wenn sie spüren, sie sind eingeladen, genauso zu sein, wie sie sind – mit ihren Sorgen, Zweifeln und Unsicherheiten.

Ach, mein Beruf ist einfach so schön. Und das Wahnsinnige ist, dass ich dafür auch noch bezahlt werde.“

Woran erkennst du, dass jemand wirklich bei sich ankommt?


„Bei Massagen ist das besonders deutlich. Zuerst verändert sich die Atmung, dann der Gesichtsausdruck. Wenn jemand unter den geschlossenen Augenlidern nicht mehr blinzelt, weiß ich: Das Denken hat aufgehört. Das braucht Zeit. Mit den Jahren spürt man das Eintreten der Entspannung beim Gegenüber immer feiner – das Gewebe verändert sich, alles wird weicher, lockert sich. Das schönste Geschenk für eine Masseurin ist es, wenn ein Mensch wirklich loslässt.

Eine Massage öffnet oft mehr als nur den Körper. Manchmal fließen Worte, manchmal Tränen. Berührungen berühren eben auch im Inneren. Es geht immer darum, zu spüren, was die Person in diesem Moment braucht und sich auf sie einzulassen. Das ist heilsam. Für beide Seiten!”

Und wie ist das bei den Saunaaufgüssen?

In der Sauna spielen Düfte eine große Rolle. Aromatherapie kann beruhigen oder beleben – besonders in lichtarmen Monaten arbeite ich gern mit Kopf- und Herznoten, zum Beispiel Zitrusdüften, um die Stimmung aufzuhellen. Bei Aufgüssen merkt man sehr schnell, wie Menschen sich entspannen und welche Wirkung sie haben können: Man muss sich mal vorstellen: In etwa zwölf Minuten wird der Körper entgiftet – es gibt kaum einen schnelleren Weg. Das Wohlbefinden steigt. Sogar nachhaltig.“
  

Wie sorgst du selbst für Balance und Regeneration im Alltag?

Hast du ein kleines Ritual oder einen Wellness-Moment, den jeder leicht integrieren kann?


„Auch für mich ist es wichtig, mich manchmal jemandem anzuvertrauen, z.B. bei einer Gesichtsmassage, die ich mir gönne. Ein warmes Bad, eine Tasse Kräutertee – das entspannt mich. Ich bin außerdem Wanderguide im Golserhof. Dieses Spiel der Polaritäten – Entspannung und Aktivierung – liebe ich. Genau das brauche ich für meine innere Balance. Wie alle Menschen, da bin ich mir sicher.“