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Hermann Gufler und sein Rezept zum Glück

Südtiroler Leit und ihr Glump: Apfelbauer
Hermann Gufler und sein Rezept zum Glück


Published on 29. Juli 2015
Lisa Mattis
aus dem Blog: Helle Flecken

Unter dem Titel "Leit und Glump" bin ich im Juli ein langes Wochenende durch Südtirol gereist und habe unterschiedlichste Südtiroler auf einen Schwank aus ihrem Leben getroffen. Alle Infos zu dem Projekt findet ihr hier, alle Social Media Posts unter dem Hashtag #LeitUndGlump. Vielen Dank für die Einladung an die Südtiroler Marketing Gesellschaft - und natürlich an Hermann Gufler für seine Zeit.

Schon auf der Fahrt durch die Südtiroler Täler sieht man sie in rauen Mengen. Kurz hinter Brixen
geht es los: Apfelwiese reiht sich an Apfelwiese. Grüne, rote, gelbe Äpfel so
weit das Auge reicht. 40 Kilometer weiter westlich steht Hermann Gufler im Hang
unterhalb des Ansitz Golserhof, dem Elternhaus seiner Frau, und sieht sich einen von
Sonnenbrand betroffenen Apfel an. Ich begleite ihn heute auf seinem Weg
durch die Apfelplantage und erfahre, was neben Sonne, Hagel und Frost noch
gefährlich für seine Äpfel werden kann. Aber auch, wieso dieser Mann so
eine unfassbar positive Ausstrahlung hat – und was sein Beruf damit zu tun hat.

Den hat er Anfang der 60er auf der Obst- und Weinbauschule erlernt – und übt ihn bis heute mit
Freude aus. Geboren auf dem Plantitscherhof bei Meran heiratete der Obst- und
Weinbauer 1971 die Tochter vom Golserhof in Dorf Tirol, und ihre Kinder kamen
ganz nach der Familie: Die geborenen Gastwirte. Schon in den 50ern hatten die
Südtiroler gelernt, dass ein zweites Standbein neben der Landwirtschaft
unumgänglich ist – und, dass sich ihre Heimat ganz herrlich für den Tourismus
eignete.

Fremdenzimmer,Hotels, Buschenschänken: Immer mehr Bauersfrauen erkannten sowohl die
Notwendigkeit, als auch den Spaß an der Arbeit. So auch Hermann Guflers Mutter
und Schwiegermutter, und nun auch seine Tochter und sein Sohn. Und was hat das
bitte mit Glück zu tun?

Die 5 Wege zum Glück nach Hermann Gufler

1. Pflicht und Passion verbinden – tu, was du liebst und liebe, was du tust!
“Mittlerweile haben bei uns in Südtirol 70 bis 80 Prozent der Landwirte ein zweites Standbein im
Tourismus. Schon mein Professor auf der Obst- und Weinbauschule hat mir damals
gesagt, wie wichtig es ist sich abzusichern”, erzählt er “aber da muss natürlich
auch eine Leidenschaft dahinter stehen. Meine Schwiegermutter, meine Mutter,
das waren wirklich begeisterte Gastwirtinnen. Und das hat sich zum Glück auch
bei meinen Kindern fortgesetzt.” Jeder, der einmal Gast im von seiner Tochter
Hiltrud geführten Ansitz Golserhof war, kann das bezeugen; Sohn Johannes führt
mittlerweile ein Hotel im Plantitscherhof.

Und Hermann Gufler?
Der baut auf den Wiesen, die zu den Häusern gehören, Äpfel und Wein
an. Acht Apfelsorten sind es mittlerweile – darunter der zuverlässige Gala,
mein Liebling Braeburn und eine neue Apfelsorte mit dem Namen Envy.
Dahinter steckt genauso viel Leidenschaft wie hinter der Arbeit seiner Kinder.
Und er weiß: “Darauf kommt es schließlich an – dass man etwas nicht nur
aus Einkommenspflicht macht, sondern auch aus Passion. Nur dann kann man damit
auch erfolgreich werden.”

2. Offen für Neues sein – geh mit der Zeit!
Ebenso wichtig wie die Freude und die Leidenschaft für die Arbeit findet er es aber auch, mit der
Zeit zu gehen. “Unsere Obstbaugenossenschaften sind nur deshalb so erfolgreich,
weil sie sich strukturell und qualitativ stets weiter entwickelt haben. Und das
gilt auch für jeden Einzelnen von uns.” Hermann Gufler selbst hat sein Leben
lang jedes Seminar, jeden Vortrag und jede Weiterbildungsmaßnahme wahrgenommen
die sich ihm angeboten hat. “Die Entwicklung bleibt ja nie stehen – zum
Beispiel in Richtung Nachhaltigkeit. Da muss man eben auch mitgehen, nicht
denken ‘Das haben wir schon immer so gemacht’, sondern mit der Zeit gehen. Offen
zu sein für Neues, das ist enorm wichtig um langfristig Erfolg zu haben!”

Von anderen lernen, das gehörte für ihn sein Leben lang auch dazu, zum Beispiel auf Lehrreisen und
im Vergleich mit der Konkurrenz. “Dabei hat man immer etwas gesehen was
man nicht machen möchte, oder was bei uns vielleicht auch gar nicht geht – aber
eben auch jeden Funken einer Chance für den eigenen Betrieb wahrgenommen. Und
das kannst du nur, wenn du mit den Ohren und den Augen offen bist und dich
nicht versperrst gegen Neues.” Und gegen das Fremde, das Unbekannte: Auch die
Koexistenz der Südtiroler und der Italiener in Südtirol sieht Hermann
Gufler als gegenseitige Befruchtung, da wirkte vielleicht die Lockerheit
der Italiener, vielleicht der Wille, Sachen anzupacken, der Südtiroler – und im
besten Fall wirken sie zusammen. “Man muss ja nicht alles Alte über Bord
werfen, aber man darf sich auch nicht verklemmen an Dingen.”

Ist diese Offenheit typisch Südtirol? frage ich mich. “So denkt schon ein Großteil der
Südtiroler – aufgeschlossen gegenüber Neuem, vor allem unter den Jüngeren.
Mittlerweile bin ich auf den Obstbauseminaren ja immer unter den Ältesten und
sehe voller Freude, wie viele junge Leute da sind und auch heute noch mit
Begeisterung und Freude vor allem an der Weiterentwicklung des Südtiroler
Obstbaus interessiert sind.”

3. Dankbar sein und stolz – aber nie überheblich!
“Man darf schon zufrieden mit sich sein, wenn man etwas erreicht hat”, findet der Mann, dem man
den Stolz und die Freude über seine Arbeit und den Erfolg seiner Kinder
deutlich ansieht. “Aber man sollte nie überheblich werden. Ich habe das auch
immer zu den Kindern gesagt: Nie angeben, auch nie jammern, sondern immer
realistisch mit den Füßen auf dem Boden bleiben – dann wirst du nie weit
fallen.” Was klingt wie ein Spruch aus dem Poesiealbum, manifestiert sich in
Hermann Gufler selbst: Auf eine solche Mischung aus Zufriedenheit,
Selbstbewusstsein und Bescheidenheit trifft man selten.

4. Ans Gute glauben – sieh die Sonne, nicht die Wolken!
Er bringt mich zum Grinsen als genau der, dessen Optimismus ich so sehr schätze, zu mir sagt dass er eben
diesen auch in mir sieht. Aber er liegt so richtig. “Es gibt immer diese Leute,
die sagen ‘Ah, da kommt bald ein Wolkenbruch’. Und vielleicht haben die auch
Recht, und es schüttet gleich. Aber du musst die Sonne sehen! Und wenn mal
Wolken vor der Sonne sind, dann kannst du dir aber sicher sein: Dann kommt die
ja wieder! Und das muss ich durch dein ganzes Leben durchziehen, ob du Bauer
bist oder Hotelier oder Journalist, sonst wirst du unglücklich.”

Ohne jede Dramatik zeigt er mir einen vom letzten Hagel getroffenen Apfel am Rand seiner Wiese,
wenige Meter weiter einen mit Sonnenbrand. Rupft einige Blätter ab, an denen er
den Befall von Mehlwürmern entdeckt hat. “Na, das passiert halt! Stattdessen
konzentriert man sich auf all die gesunden Äpfel, die unter den Netzen Schutz
vor Hagel, Sonne und Vögeln haben und gut gedeihen.” Hermann Gufler, der
Nagel und der Kopf!

Statt sich über diejenigen zu ärgern, die weniger optimistisch durchs Leben gehen – wie ich es
übrigens häufig tue – sieht er seine eigene Lebenseinstellung eher als Chance:
“Das ist ja eine Gabe! Nicht jeder wird so geboren, und deshalb soll man
versuchen auch dem etwas davon zukommen zu lassen, der sie nicht
hat. Dem muss man weiterhelfen, aus einer negativen Situation etwas Positives
mitzunehmen. Das ist ja schließlich ein Geschenk, wenn man diese positive Art
hat, da kann man ruhig dem anderen etwas von abgeben.” Und was so getippt und
gelesen nach Gutmenschentum klingt, das ist einfach nur ernst gemeint und kommt
von Herzen; das merkt man, wenn man ihm auf der Bank in seiner Apfelwiese
gegenüber sitzt.

5. Nie aufgeben – aufgeben tut man nur die Post!
Noch so was fürs Poesiealbum: Aufgeben tut man nur die Post! Soll heißen? “Natürlich gibt
es immer Tiefpunkte im Leben. Aber die gehen vorbei. Das verspreche ich, man
muss nur dran glauben.” Das tue ich sofort. Und den Spruch von Hermann Guflers
Mutter, den mit der Post – den pinne ich mir jetzt an die Wand hinter meinem
Schreibtisch.

Typisch Südtirol?
Das sonnige Gemüt, die Zuversicht und die Bereitschaft, Dinge zu ändern wenn es nötig ist.

Das perfekte Mitbringsel?
Na, ein Apfel natürlich! Oder zwei.

 
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