Der Naturpark Texelgruppe

Der Naturpark Texelgruppe umfasst eine Fläche von rund 33.430 ha, die auf die Gemeinden Schnals, Naturns, Partschins, Algund, Tirol, Riffian, St. Martin und Moos in Passeier verteilt ist. Die Schutzzone liegt zwischen dem Etschtal im Süden, dem Schnalstal im Westen, dem Passeiertal im Osten und dem Alpenhauptkamm im Norden. Sie umfasst somit die gesamte Texelgruppe, die nordwärts daran anschließenden Ötztaler Alpen mit dem Schnalser und dem Gurgler Kamm sowie einen kleinen Anteil der Stubaier Alpen zwischen Timmelsjoch und Timmelsjochberg.

Geologie und Wasserhaushalt

In geologischer Hinsicht gehört der Naturpark Texelgruppe zur Gänze den Zentralalpen an. Die kristallinen Gesteine werden zu drei Einheiten zusammengefasst: dem Stubaier Kristallin im Bereich des Timmelsjochs (2.509 m), dem Ötztaler Kristallin im Gebiet des Schnalser Kammes - der so genannten "Zone der Alten Gneise" im Süden - und dem "Schneeberg Zug", der den größten Teil des Gurgler Kammes einschließlich der Hohen Wilde aufbaut. Im Bereich des Granatenkogels, zum Gurgler Kamm gehörend, findet man dunkelrote Granate, die manchmal Faustgröße erlangen können. In den Gneisen und Glimmerschiefern ist gelegentlich Marmor eingelagert.Besonders beachtenswert sind die langgezogenen Marmorbänder am linken Hang des Pfelderer Tales und in der Lodner Gruppe. Der markante Tschigat-Gipfel ist aus Granitgneis aufgebaut.

Wasser und Eis haben zur Gestaltung der Berge und Täler wesentlich beigetragen. Während der Eiszeit bedeckten mächtige Gletscher das heutige Parkgebiet. Dabei wurden Quellmulden zu Karen umgeformt, das Profil der Täler ausgerundet und im Bereich der Talböden entstanden Schliffrücken- und Rundbuckellandschaften sowie Hängetäler. Berühmteste Attraktion ist der Partschinser Wasserfall im Burggrafenamt, der im Frühjahr, zur Schneeschmelze, zu den eindruckvollsten Fällen des gesamten Alpenraumes zählt. Der wasserreiche Zielbach schießt mehrere Meter über eine Felswand hinaus, um dann als tosender Wasserfall 97 m in die Tiefe zu stürzen.

Der Naturpark Texelgruppe ist - dank des bedeutenden Speichervermögens der weit verbreiteten Lockergesteine und dem gewaltigen Abschmelzen der Gletscher - sehr wasserreich. Das Herzstück bilden die Spronser Seen, die im Zusammenwirken mit den sie umgebenden Dreitausendern und den darunter liegenden Almen ein Bild von einmaliger landschaftlicher Schönheit bieten. Die rund zwanzig Seen des Naturparks verdanken ihre Entstehung durchwegs Gletschern, die entweder Felsbecken ausgegraben oder Kare durch wasserstauende Moränen abgedämmt haben. Diese in der Zone der "Alten Gneise" gelegenen Gewässer bilden die größte hochalpine Seenplatte.


Allgemeine Informationen

Mit einem Höhenunterschied von fast 3.000 m umfasst der Naturpark die gesamte Palette der Lebensgemeinschaften Südtirols: von der Obergrenze der submediterranen Vegetationszone bis zur Schneegrenze. Auf den südlichen Hängen des Vinschgauer Sonnenberges hat sich aufgrund der extremen Trockenheit im Vinschgau (ausgeprägtes Trockenklima mit 550 mm Niederschlag/Jahr), der starken Sonneneinstrahlung, der Waldrodung in den vorangegangenen Jahrhunderten sowie der Jahrhunderte langen extensiven Nutzung als Weide eine sekundäre Steppenvegetation entwickelt. Die Hänge sind heute sehr locker mit Wacholderbüschen und mit einem bunten Gemisch von Beeren tragenden Sträuchern bewachsen. Hier haben verschiedene osteuropäische Steppenbewohner und wärmeliebende, mediterrane Vertreter sowohl der Pflanzenwelt, als auch der Tierwelt ideale Lebensbedingungen vorgefunden. Einige Reptilien,wie die Aspisviper und die Smaragdeidechse oder Insekten, wie die Gottesanbeterin erreichen hier eine beachtliche Verbreitung. Außerdem ist dies die einzige Zone Südtirols, in der die Heidelerche, die Sperbergrasmücke und der Brachpieper, wenn auch nur vereizelt, verbreitet sind. Wärmebedürftige Arten, wie die Zippammer, der Ortolan, die Felsenschwalbe, das Steinhuhn, der Steinrötel, die Orpheusgrasmücke und die Zaunammer erreichen entweder eine besonders hohe Bestandsdichte oder haben hier ihr nördlichstes Vorkommen.

Die Südhänge der Texelgruppe sind bis in Höhen von ungefähr tausend Metern mit Laubmischwäldern und Föhrenbeständen bewachsen. In den feuchteren Taleinschnitten finden sich Buchen und Weißtannen, während auf den trockeneren Standorten Kastanien, Flaumeichen, Eschen, Birken, Grauerlen, Hainbuchen, Feld- und Bergahorne stehen. Laubmischwälder bieten den verschiedensten Vogelarten und Kleinsäugern die besten Lebensbedingungen. Auch für das Rehwild sind gute Einstände zu verzeichnen. An den steilen, besonnten, weitgehend auch felsigen Hängen des Schnalstales treffen wir auf ausgedehnte Lärchenwälder. Sie sind von Wacholder und Berberitze durchsetzt. Das Schnalstal kann als das "Lärchental Südtirols" bezeichnet werden. Die Lärche ist ein Rohboden- und Lichtkeimer und ist imstande, auch sehr steile Hänge zu besiedeln. Die tief wurzelnde Lärche bewahrt das Tal vor Erosion und Verwüstung durch Lawinen und Muren.

Das Pfelderer- und das Passeiertal weisen - im Gegensatz zu den sonnigen Hängen des Vinschgaus - weniger steile Bergflanken, höhere Niederschlagsmengen und niedrigere Temperaturen auf. Weite Fichtenwälder, vermischt mit einzelnen Lärchen, bestocken in Höhen von 800 und 1.900 m die Hänge. Nadelwälder sind an Tierarten weitaus ärmer als die Laub- und Mischwälder. Hier leben das Eichhörnchen, der Schwarzspecht und der Fichtenkreuzschnabel, das Wintergoldhähnchen und die Tannenmeise.

Zwischen der Waldgrenze (etwa bei 1.900 m) und den alpinen Grasheiden liegt meist ein Zwergstrauchgürtel. Mächtige, verwitterte Zirben, krumm gewachsene Lärchen und Alpenrosen mit den leuchtend roten Blüten prägen das Landschaftsbild der Zwergstrauchheide. Die Besenheide, Bärentraube und Alpenheide, Krähen- und Preiselbeere bilden oft dichte, ausgedehnte Teppiche - durchbrochen von Felskuppen und Felsblöcken. Im Bereich der oberen Waldgrenze (in aufgelockerten Beständen, doch mit einem an Zwergsträuchern reichen Unterwuchs) halten sich das Auer- und das Birkwild auf. Nur selten zu sehen sind im Naturpark Tierarten wie Siebenschläfer, Marder, Dachs oder Fuchs, die in der Dämmerung und in der Nacht aktiv werden. Über der Baum- und Strauchgrenze bedecken ausgedehnte Rasengesellschaften die Hänge. Sie werden zum Teil als alpine Weiden genutzt und haben somit im Laufe der Jahrhunderte eine entsprechende Auslese und Veränderung erfahren. Zu Bergwiese und Alm gehört das Murmeltier. Vor allem auf dem Weg vom "Vorderkaser" zum "Eishof" ist ihr warnender Pfiff häufig zu hören. Mit ein wenig Glück ist es in diesen Zonen möglich, das Hermelin und den Schneehasen zu beobachten.

Auf nacktem Fels leben Polster- und Rosettenpflanzen. Sie ertragen Trockenheit und extremes Licht. Mit ihren langen Wurzeln dringen sie in Spalten und Risse des Gesteins ein. Den extremen Verhältnissen in der Felsregion haben sich manche Tiere in ihrer Lebensweise bestens angepasst. Gemse und Steinböcke bewegen sich gewandt im steilen und unwegsamen Gelände. Der Steinbock, der von alters her die Hochgebirge Tirols bewohnte, wurde durch zu starke Bejagung gegen Ende des 17. Jahrhunderts ausgerottet, in den letzten Jahren aber wieder erfolgreich eingesetzt. Unter den Vögeln finden wir das Alpenschneehuhn, den Kolkraben und den Steinadler, der hier regelmäßig nistet.

Die Überreste von prähistorischen Ansiedlungen, Befestigungsanlagen und Kultstätten beweisen, dass der Mensch sich schon früh in der Texelgruppe angesiedelt hat. Von dieser vorgeschichtlichen Zeit erzählen uns die Kuppenhöhe des "Saxnerknott" oder der Saxnerhof in Oberplars (mit seinen Wallmauern, Wohngruben und Schalensteinen sowie zahlreichen Funden an Tonscherben), der Gampbichl oder die so genannten "Nörggelelöcher", zweier Höhlen nordwestlich des "Saxnerknott". Viele Fragen sind diesbezüglich noch ungeklärt. Im Bereich der Spronser Seen fand man entlang des uralten Totenweges von Pfelders nach Dorf Tirol Schalensteine. Nach der Schneeschmelze wurden auf diesem Weg die Toten zur Pfarrkirche St. Peter ins Dorf Tirol gebracht, um sie dort beizusetzen. Die Frauen brachten auch die Neugeborenen mit, um sie dort taufen zu lassen. Im späten Mittelalter wurden aufgrund des Bevölkerungsanstieges ganzjährig bewirtschaftete Schwaighöfe bis auf 2.000 m angelegt. Die Selbstversorgungswirtschaft aufgebend, überschritt man damals mit den Schwaighöfen auch die Getreidegrenze. Die Bewohner dieser Höfe, die ihrem adeligen Grundherren als Zins Käse, Vieheinheiten und Wolle bezahlten, wurden von diesem mit Getreide und Salz versorgt. Aus diesen ehemaligen Schwaighöfen sind einige Almen im Naturpark Texelgruppe entstanden, wie die Grafalm, Mitterkaser, Rableit, der Eishof, die Mairalm, die Unterglaneggalm und die Seeberalm. Der Eishof war bis 1897 - mit 2.070 m - die höchste ganzjährig bewirtschaftete Ansiedlung. Schnals hat den größten Schafbestand Südtirols. Es ist ein "archaisches Erlebnis", wenn Ende Juni der endlose Zug von über 1.000 Schafen durch Schneefelder und Gletscherfirn über das Hochjoch (2.875 m), Niederjoch (3.019 m) und übers Gurgler Eisjoch (3.152 m) zu den Almen des Ötztales, die auch im Hochsommer saftig grün bleiben, hinüberzieht.

Charakteristisches Element der Vinschgauer, aber auch der Burggräfler Kulturlandschaft sind die Bewässerungskanäle, die so genannten Waale. Um zu Wasser zu kommen, legten die Bauern schon vor Jahrhunderten diese Waale an. Das Wasser wurde aus den Bächen höher gelegener Täler abgeleitet, manchmal sogar weit über der Waldgrenze gefasst. Es floss - je nach der Beschaffenheit des Geländes - in gegrabenen Erdkanälen, in Rinnen (die in den Fels gehauen wurden) und sogar in Holzrinnen, den "Kandeln", die oft in schwindelnder Höhe waghalsig an Felswänden verlegt wurden. Bis zu 20 km weit strömt das "Wasserwosser" dahin, bis es in immer feineren Verästelungen und "Ilzen" auf den Feldern "ausgekehrt" wird. Das monotone Geklapper der von einem Wasserrad getriebenen Waalschelle zeigt dem diensthabenden Waaler das reguläre Strömen des Wassers an. In den letzten Jahrzehnten wurde ein Großteil der Waale aufgelassen und durch moderne Beregnungsanlagen ersetzt.
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